Quereinstieg
ohne Staatsexamen
Quereinsteiger:innen mit fachlich qualifizierendem Masterabschluss ohne pädagogische Ausbildung
Zielsetzung
Die Berufseinführung für Quereinsteiger:innen zielt darauf ab, die vorhandene fachliche Expertise um pädagogische, didaktische und schulpraktische Kompetenzen zu erweitern. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung professionellen Lehrer:innenhandelns in folgenden Bereichen:
- Unterricht gestalten und Lernprozesse initiieren
- Erziehungs- und Bildungsaufgaben wahrnehmen
- Leistungen erfassen, beurteilen und rückmelden
- Kooperation im Kollegium sowie mit Eltern gestalten
- Schulentwicklungsprozesse mittragen
Zugleich wird ein fundiertes Verständnis für die lerngruppengerechten, wissenschaftlichen und künstlerischen Anforderungen der jeweiligen Fächer im schulischen Kontext aufgebaut.
Struktur der Berufseinführung
Die zweijährige berufsbegleitende Qualifizierung umfasst:
- 20 Seminartage (je 8 Stunden)
- 20 Unterrichtsbesuche mit anschließenden Reflexionsgesprächen
Vorbereitungsphase (vor Schulbeginn)
Bereits vor Aufnahme der Unterrichtstätigkeit werden die Teilnehmenden in einer kompakten Einführungsphase (5 Seminartage) gezielt auf den Schulalltag vorbereitet. Inhalte sind insbesondere:
- Grundlagen der Waldorfpädagogik und das Leitbild der Schule
- Gestaltung der ersten Unterrichtssituationen
- Diagnose von Lerngruppen
- Grundlagen der Unterrichtsplanung
Erstes Berufsjahr
- 15 Seminartage (inhaltlich orientiert an Zielgruppe 3)
- Schwerpunkt: Aufbau methodisch-didaktischer Grundlagen und Unterstützung bei Planung und Durchführung von Unterricht
- Regelmäßiger Erfahrungsaustausch und angeleitete Reflexion in der Gruppe
Die Seminare finden in der Regel an einem festen Wochentag (dienstags) statt, um eine verlässliche Integration in die Stundenplanung der Schulen zu ermöglichen.
Parallel dazu erfolgen:
• 10 Unterrichtsbesuche durch Mentor:innen des IfB
• jeweils mit strukturiertem Nachgespräch und Zielvereinbarungen
Zum Abschluss des ersten Jahres findet ein individuelles Entwicklungsgespräch statt, das den bisherigen Professionalisierungsprozess dokumentiert und der Schule zur Kenntnis gegeben wird.
Zweites Berufsjahr
- 5 Seminartage
- 10 weitere Unterrichtsbesuche
Der Fokus liegt auf der Vertiefung, Integration und eigenständigen Weiterentwicklung der erworbenen Kompetenzen.
Inhalte der Seminararbeit
Die Seminararbeit gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Entwicklungsphasen:
1. Entwicklung von Startkompetenzen
- Leitbild der Waldorfschule
- Merkmale guten Unterrichts
- Gestaltung erster Unterrichtssituationen
- Grundlagen der Unterrichts- und Reihenplanung
2. Aufbau reflexiver Handlungskompetenz
- Rollenverständnis als Lehrkraft
- Modelle und Konzepte guten Unterrichts
- Strukturierung und Rhythmisierung von Unterricht
- Lernprozesse und Entwicklungsphasen (z. B. Piaget, Steiner, Klafki)
- Kompetenzorientierte Unterrichtsplanung
3. Entwicklung professioneller Reflexionsfähigkeit
- Handlungsfelder des Lehrer:innenberufs
- Differenzierung und Umgang mit heterogenen Lerngruppen
- Individuelles Rollenverständnis und professionelle Haltung
- Leistungsbewertung und Diagnose von Lernprozessen
- Selbstmanagement und Selbstreflexion
4. Integration und berufsbiografische Perspektive
- Methodenvielfalt und adaptive Unterrichtsgestaltung
- Leistungsbewertung und Dokumentation
- Fachdidaktische Reduktion und Schwerpunktsetzung
- Rechtliche Grundlagen (z. B. Ersatzschulverordnung NRW, BASS)
- Weiterentwicklung der eigenen Lehrer:innenrolle
Aufgaben der Schule
Die Ausbildungsschule gestaltet die schulpraktische Einführung in enger Abstimmung mit dem IfB und stellt dafür geeignete Rahmenbedingungen bereit.
Zeitliche Entlastung
Im ersten Berufsjahr werden die Quereinsteiger:innen – abhängig vom Deputat – um bis zu vier Wochenstunden entlastet. Diese Zeit dient insbesondere:
- Hospitationen bei erfahrenen Lehrkräften
- Teilnahme an Seminaren und Fortbildungen
- Vor- und Nachbereitung des Unterrichts
- Austausch mit Mentor:innen
- Eigenständiger fachlicher und didaktischer Vertiefung
Ein Einsatz in Vertretungssituationen erfolgt ausschließlich in vertrauten Lerngruppen.
Schulinterne Einarbeitung
Zu Beginn des ersten Schuljahres:
- Drei Hospitationen in qualifiziertem Unterricht mit anschließender Reflexion
- Einführung in organisatorische und pädagogische Rahmenbedingungen der Schule, u. a.:
o Schulstruktur und pädagogisches Konzept
o interne Planungsprozesse
o organisatorische Abläufe und Regelungen
Im weiteren Verlauf des ersten Jahres:
- 10 weitere Hospitationen bei erfahrenen Lehrkräften (auch fachfremd möglich)
- 10 Unterrichtsbesuche durch schulinterne Mentor:innen mit Feedback
- Kontinuierliche Beratung bei der Unterrichtsplanung
- Dokumentation und Reflexion des individuellen Entwicklungsprozesses
Im zweiten Jahr wird die schulinterne Begleitung bedarfsorientiert fortgeführt. Die Abstimmung zwischen schulischen Mentor:innen und IfB gewährleistet eine kohärente Unterstützung.
Portfolioarbeit
Die Berufsanfänger:innen dokumentieren ihren Professionalisierungsprozess in einem Portfolio. Dieses umfasst u. a.:
- individuellen Ausbildungsplan
- Unterrichtsentwürfe und Reihenplanungen
- Lerngruppenanalysen
- Beispiele für Differenzierung und Leistungsbewertung
- Materialien und methodische Konzepte
- Reflexionen von Unterricht und persönlicher Entwicklung
- Dokumentationen von Elterngesprächen und Projekten
- Teilnahmebescheinigungen von Fortbildungen und Seminaren
Das Portfolio dient der kontinuierlichen Selbstreflexion, macht Lernfortschritte sichtbar und unterstützt die nachhaltige Entwicklung der Lehrer:innenprofessionalität.